1.3 Thema des unmittelbar vorangegangenen
Unterrichts
Klausur zu "Tonio Kröger"/"Mario
und der Zauberer"
1.4 Thema der folgenden Stunden
Assoziatives Erschließen
zweier Gedichte von Rolf Dieter Brinkmann: "Einen jener klassischen" /
"HÖLDERLIN-HERBST" (o. J.); Methodentraining: Produktive Interpretation
eines Textes durch "automatisches Schreiben" (écriture automatique)
1.5 Unterrichtsvoraussetzungen
Die S. haben sich im Lauf des
Halbjahres bereits einmal mit lyrischen Texten auseinander gesetzt (vgl.
Reihe zum Ophelia-Motiv). Hierbei
wurden den S. zwei Herangehensweisen vermittelt, die ein Erschließen
der Texte (auch im Hinblick auf das Abitur) erleichtern sollten: Im ersten
Fall wurde auf die Funktion von Schlüsselbegriffen abgehoben (z. B.
"Stadt", "Moloch"), im zweiten Fall auf die Funktion auffälliger sprachlicher
Mittel, wie z. B. Anaphern.
Da den S. aber auch lyrische
Texte begegnen können, die weder rhetorische Stilfiguren noch Schlüsselwörter
aufweisen (wie etwa bei der Konkreten Poesie), wurden von mir einige Gedichte
ausgewählt, die sich auch über die Assoziationen der Leser erschließen
lassen.
Die S. zeigten zu Beginn
der ersten U-Reihe eine gewisse Abneigung gegenüber der Analyse lyrischer
Texte, die aber rasch nachließ. Sporadische Unkonzentriertheit war
meiner Ansicht nach durch eine unmittelbar zuvor geschriebene Mathematik-Klausur
bedingt. Um den Bogen einer Lyrik-Reihe nicht zu überspannen, schloss
ich nach einigen Stunden eine Reihe zu Thomas Manns Novellen "Tonio Kröger"
und "Mario und der Zauberer" an. Diese ist am Mittwoch mit einer Klausur
abgeschlossen worden, so dass eine Beschäftigung mit moderner Lyrik
auch einen Kontrast darstellen dürfte, von dem ich mir eine Motivierung
der Klasse erhoffe.
2 Lernziele
2.1 Grobziel
Die S. üben sich in der assoziativen Erschließung lyrischer
Texte.
2.2 Feinziele
Die S.:
interpretieren Ernst Jandls
Gedicht "schtzngrmm" (1969) als lautmalerischen Ausdruck von Krieg (hier:
erster Weltkrieg), indem sie ihre akustischen Assoziationen beim Hören
des Gedichts ausdrücken und sprachliche Besonderheiten des Gedichts
benennen. (LZ1; Ind.: zusammenhängende S-Äußerungen)
erkennen, dass Jandls Gedicht
"wien : heldenplatz" (1962) von Wortneuschöpfungen geprägt
ist. (LZ 2; Ind.: korrekte Benennung durch S.)
leiten Assoziationen der Themenbereiche
"Jagd" und "Sexualität" aus den Wortneuschöpfungen des Gedichts
ab und erweitern diese um den Bereich "Hitler/Nationalsozialismus", indem
sie eine Schilderung der historischen Ereignisse auf dem Wiener Heldenplatz
im Jahre 1938 in Beziehung zum Text setzen. (LZ 3; Ind.: zusammenhängende
S-Äußerungen)
erkennen, dass sich Jandl in
seinem Gedicht dem "Phänomen Hitler" sprachlich anzunähern versucht,
indem sie das assoziative Potential des Gedichts schreibend erkunden sowie
eigene Wort-Assoziationen mit denen der Klassenkameraden und von Schulbuchautoren
vergleichen. (Ind.: S.-Notizen auf Mind-Map-Darstellung; zusammenhängende
S-Äußerungen). (LZ 4)
fakultativ:
vollziehen Jandls Verfahren
nach, indem sie nach dem erarbeiteten Verfahren ein Gedicht verfassen.
(LZ 5; Ind.: Schülertexte)
3 Sachanalyse
Ernst Jandl gilt als bedeutender
experimenteller Lyriker, Hörspiel- und Dramenautor. Den Durchbruch
erzielte er 1966 mit dem Gedichtband "Laut und Luise", aus dem Gedichte
wie "schtzngrmm" große Bekanntheit erreichten.
1973 war Ernst Jandl Mitbegründer
der Grazer Autorenversammlung. Beeinflusst von Expressionismus und Dadaismus
sowie von der "Wiener Gruppe" (deren "Onkel" er sich einmal nannte) und
der Konkreten Poesie, entwickelte Jandl vielfältige experimentelle
Formen, wobei auch die eigene ausdrucksstarke Rezitation eine besondere
Rolle spielte, die den Schülern möglichst zugänglich gemacht
werden sollte . Beispielsweise finden sich im Internet Audio-Dateien, die
leicht auf ein Diktiergerät überspielt werden können.
Sprachspiel und Sprachverfremdung
("verhunzte Sprache") sind bei Jandl Mittel, um das "beschädigte Leben"
in all seinen Defiziten vorzuführen: In seinem 1962 entstandenem Gedicht
"wien : heldenplatz" fallen sofort Wortneuschöpfungen
auf, die zuerst so fremdartig klingen, dass ihr phonetisches, ungewohntes
Klangbild - gehört, gesehen oder beides - die inhaltsvolle Aussage
verwirrt. Doch entdeckt man schnell die Absicht des Dichters, der in diesem
Gedicht mit vielen Assoziationen arbeitet, deren inhaltlicher Bezug schließlich
in den Vordergrund tritt: "Beim ersten Zuhören oder Lesen ergeben
viele überhaupt keinen Sinn, sowohl für sich selbst als auch
im Textgefüge. Doch merkt man daneben aus der Tradition gewohnte Wörter,
die im Verband mit den neuen anscheinend ihre Bedeutung verlieren oder
sie ins Zwielicht rücken" (PABISCH: 78 f.).
Substantive, die nicht neu zusammengesetzt
wurden, sind hier: "heldenplatz", "frauen", "nöten", "stimme", "weibern",
"heil"; neu sind: "männchenmeere", "maskelknie", "stirnscheitelunterschwang",
"gottelbock", "knie-ender". Die Fügung "von Sa-Atz zu Sa-Atz" wirkt
zunächst wie dahergestottert (vgl. aber unter 7.3!).
Bekannte Verben sind: "heften",
"versuchten", "ward"; neue sind: "hinsensend", "versaggerte", "brüllzten",
"kechelte", "döppelte", "würmelte" sowie "hirschelte".
Auch Adjektive und Adverbien
sind gekennzeichnet von diesem Phänomen "bekannt/neu": "zirka",
"heftig", "wesentlich", "nördlich"; und - neu komponiert: "glanze",
"maschenhaft", "hoffensdick", "feilz", "sämmertlich", "sprenk", "balzerig",
"pfingstig" sowie "zumahn".
Eindrücke, Gefühle
oder Ideen werden hier also dergestalt miteinander verbunden, dass die
Aktivierung des einen Inhalts die Hervorbringung des anderen nach sich
zieht oder wenigstens fördert. Insgesamt ist festzuhalten, dass Jandl
dem Leser bewusst Spielräume für eigene Assoziationen lässt.
Dies muss freilich bei einer Behandlung des Gedichts im Unterricht dazu
führen, dass zwar auch eine Interpretation Resultat der vorangehenden
Textanalyse sein kann, diese aber zwangsläufig offen bzw. vage bleiben
muss. Die U-Stunde kann folglich nur mit dem unbefriedigenden Ergebnis
aufwarten, dass Jandl versucht hat, sich auf seine Weise dem "Phänomen
Hitler"
anzunähern.
Hellmut ANDICS (1968, S.
343) schreibt über Hitlers Rede auf dem Heldenplatz: "Das alles
ging hinter den Kulissen eines zentral gelenkten, jeder öffentlichen
Einschau entzogenen totalitären Staats- und Verwaltungsapparates vor
sich - und alles ging im Jubel der Massen unter. Der Jubel ließ sich
später nicht wegleugnen. Er erreichte mit der Kundgebung auf dem Wiener
Heldenplatz am 15. März 1938
seinen Höhepunkt. Pressephotographen und Wochenschaureporter belieferten
die ganze Welt, mit dem Anblick eines Volkes, das vor Begeisterung außer
Rand und Band geraten schien [...] Kein Trommelfell, das nicht zu platzen
drohte, wenn das Chorgeschrei der Tausenden, Zehntausenden, Hunderttausenden
erklang: ‚Ein Volk, ein Reich, ein Führer.‘"
PABISCH (1976, S. 80 f.)
bezieht das Gedicht wie folgt auf das historische Geschehen: "Im Vergleich zur oberflächlichen,
äußeren Darstellung der Szene durch die ratlosen Historiker,
die bis heute dieses a-historische Geschehen nicht erklären können,
müssen wir uns fragen, ob dem Dichter diese Darstellung durch die
Konstruktion seiner Sprache nicht glaubhafter gelingt. Auch wenn Ernst Jandl
nur ein Spiel mit der Sprache betreibt, können wir nicht umhin, aufgrund
des Ernstes dieses Spieles, unsere Assoziationen auf die historischen Anspielungen
einzuengen. [...] Obwohl keine Zeile dieses
rein literarisch-sprachlichen Kunstwerkes deskriptiv auf die historische
Szene verweist, spielt Ernst Jandl - zunächst durch den Titel des
Gedichtes und dann durch alle Assoziationen auf die Thematik der besonderen
Szene an. Die sprachliche Textierung
ordnet diese Szene vollkommen dem literarischen Wirken unter. Der Dichter
läßt sich nicht von der Ungeheuerlichkeit der historischen Tatsachen
emotional beherrschen, sondern beherrscht die Thematik durch SEINE schöpferische
Leistung. Er bedient sich derarter
Assoziationen, die der Thematik bisher nie geahnte Dimensionen aufzwingen;
man spürt, daß er das Unsagbare sagbar macht. Immer aufdringlicher
weist die Bildhaftigkeit der Wörter auf den Brennpunkt der engen Thematik."
Da kaum zu erwarten ist,
dass die S. eine solch detaillierte Auseinandersetzung mit dem Gedicht
leisten können, stellt sich die Frage, ob es überhaupt für
eine Behandlung im Unterricht geeignet ist. Die Frage kann bejaht werden,
insofern sich Beispiele für eine Aufbereitung im Unterricht in gängigen
Lehrbüchern der Oberstufe finden, die aber nicht immer fehlerfrei
sind, wie sich etwa am Beispiel von "Texte, Themen und Strukturen" zeigen
lässt (Cornelsen-Verlag 1999, S. 509 f.): Die Autoren gehen davon
aus, dass auch Wörter aus dem Bereich "Turnen" im Gedicht eine Rolle
spielen, was nicht nachvollziehbar ist, und zitieren außerdem die
Nationalhymne falsch ("Blüh im Glanze deines Glückes" statt "Blüh
im Glanze dieses Glückes"). Es ist also nötig, genau hinzusehen
und ein Vorgehen zu wählen, bei dem nicht (wie etwa im Schulbuch)
deduktiv vorgegangen wird, indem Assoziationen der Leser von vornherein
suggestiv auf bestimmte Bereiche eingeengt werden, sondern der Spielraum,
den Jandl dem Rezipienten lässt, so lange wie möglich bestehen
bleibt.
Es versteht sich von selbst,
dass nicht jede mögliche Assoziation der Gedicht-Rezipienten erfasst
werden kann.
4 Didaktisch-methodische Überlegungen
Der Rahmenplan für die
E-Phase (11. Klasse) nennt Übung von Textanalyse und Umgang mit Texten
als wichtige Voraussetzung für die Kursphase und betont das 20. Jahrhundert
bei der Auswahl der Lektürevorschläge.
Unter "Fähigkeiten
und Fertigkeiten" werden außerdem Interpretation von Texten und Textanalyse
explizit genannt.
Am Anfang einer Beschäftigung
mit Lyrik, die assoziativ erschlossen werden kann, muss die Frage stehen,
ob ein Gedicht zur Erarbeitung ausreicht oder ob zwei oder mehrere Gedicht
in einer Stunde behandelt werden können. Ich habe mich bei der Auswahl
der Jandl-Gedichte dafür entschieden, zwei Gedichte nacheinander zu
untersuchen, wobei das leichter zugängliche am Anfang der Stunde stehen
soll und das anspruchsvollere dann in der zweiten Stundenhälfte zu
untersucht wäre. Dies ist auch im Sinn einer Progression der Stunde
angemessen; außerdem ist meiner Ansicht nach keines der beiden Gedichte
ergiebig genug, um das S-Interesse über 45 Minuten aufrechtzuerhalten.
Das Gedicht "schtzngrmm"
wird über Klang-Assoziationen von den S. schnell als ein Text erkannt
werden, der die Kriegssituation in einem Schützengraben des ersten
Weltkriegs thematisiert. Es ist also im Hinblick auf den einfachen Inhalt
nicht nötig, eine starke Vereinfachung bezüglich der Methode
vorzunehmen; den S. kann gleich die Aufgabe gestellt werden, die sprachliche
Besonderheit des Gedichts zu benennen und an einem Beispiel aus dem Gedicht
zu erläutern. Alternativ könnte das Gedicht in (z. B. zwei) Folienschnipsel
zerschnitten werden, wobei den S. die Aufgabe zu stellen wäre, zu
begründen, warum sie eine bestimmte Reihenfolge favorisieren würden
(Akzentuierung des Gedichtendes: "t-tt" bedeutet ein Verstummen der MG-Salven
- die Munition ist offenbar verschossen). Aus den genannten Gründen
sowie dem Aspekt der Zeitersparnis (zwei Gedichte!) habe ich aber darauf
verzichtet.
Das zweite Gedicht ist mit
dem ersten einerseits durch den Autor, andererseits auch durch die Möglichkeit,
es assoziativ zu erschließen, verbunden. Die S. können so ihr
in der ersten Stundenhälfte erworbenes Wissen nutzen, indem sie davon
ausgehen können, dass Jandl sich in seiner Lyrik offenbar des Mittels
der Sprachverfremdung bedient. Im Unterschied zu "schtzngrmm" ist "wien
: heldenplatz" für S. nicht leicht zu erschließen,
da ihnen vermutlich Kenntnisse über die Begebenheiten auf dem Wiener
Heldenplatz fehlen und sie so einige Anspielungen im Gedicht (auf Hitler)
nicht deuten können, die Gesamtthematik ihnen also zunächst auch
nicht zugänglich ist. Aus den in der Sachanalyse genannten Gründen
möchte ich die meiner Ansicht nach unbedingt notwendige Eingabe der
Informationen über die Begebenheiten im
Jahre 1938 aber hinauszögern, um zunächst alle assoziativen
Spielräume, die der Autor dem Rezipienten gewährt, auch ausschöpfen
zu können. Hierdurch kann dann zusätzlich ein Aha-Effekt auf
Seiten der S. ausgelöst werden.
Für einen schweren
Inhalt ist eine einfache Methode zu wählen, was ich insofern zu beherzigen
glaube, dass ich die Assoziationen, die das Gedicht bei den S. auslöst,
in Form einer Mind-Map für die Klasse visualisieren lassen möchte.
Hierzu ist es ggf. erforderlich, die Sitzordnung zu verändern, was
aber in einer fünften Stunde nicht nur eine Gefahr (Zeitverzug) bedeuten
muss, sondern möglicherweise auch den ein oder anderen Kreislauf etwas
in Schwung zu bringen vermag.
Um Medien optimal auszuschöpfen
und die Motivation zu Beginn der zweiten Erarbeitungsphase zu erhöhen,
habe ich eine Lesung des Autors aus dem Internet auf ein Diktiergerät
kopiert, das den S. vorgespielt werden soll. Um die Konzentration auf die
Gedichttexte sicher zu stellen, habe ich mich außerdem dafür
entschieden, beide Gedichte zunächst nur als OHF zu zeigen. Die S.
sind so gezwungen, ihre Aufmerksamkeit auf das Dargebotene zu richten.
Der Text wird den S. dann jeweils ausgeteilt, wenn es erforderlich wird,
etwa, um Ergebnisse zu sichern oder um Unterstreichungen vorzunehmen.
Alternativ könnte eine
Vorgehensweise auch so aussehen, dass zunächst nur der Titel des Gedichts
gezeigt wird und Erwartungen an Inhalt und sprachliche Besonderheiten des
Gedichts gesammelt würden. Dies ist aber nur möglich bzw. sinnvoll,
wenn sich die Klasse zuvor mit den historischen Grundlagen (Anschluss Österreichs)
vertraut gemacht hat, da sonst Assoziationen in eine falsche Richtung erzeugt
würden (z. B.: "Es geht um Sissi"). Außerdem könnte nach
dem Erfragen eines Lese- und Höreindruck auch nach Anspielungen auf
Hitler gesucht und danach auf die sprachliche Gestaltung abgehoben werden,
dies würde aber eine zu starke Ausrichtung auf den Lehrer und letztlich
ein Überwiegen des Frontalunterrichts bedeuten, bei dem das assoziative
Erschließen affirmativ wirken oder zu kurz kommen würde. Außerdem
würde sich für die S. zu Recht die Frage stellen, weshalb sie
Assoziationen notieren sollen, die der L. sie quasi miterzeugt hat.
Das Notieren von Wort-Assoziationen
bedeutet meiner Ansicht nach keine Unterforderung der S., da hierdurch
auch eine Sensibilisierung für Sprache bewirkt wird und der didaktische
Schwerpunkt der Stunde ja im Einüben dieser Technik (assoziatives
Erfassen von Anspielungen) besteht.
Um Zeitmangel vorzubeugen,
kann die Sicherung der Ergebnisse über eine Präsentation auf
einer teilweise vorbereiteten OHF erfolgen. Ein Tafelanschrieb, der mehr
Zeit benötigen würde, kann so entfallen.
Am Ende der Stunde kann
ein kreativer Schreibauftrag stehen, der die erarbeitete Vorgehensweise
Jandls vorgibt und durch die Erstellung der S-Produkte die Erkenntnisse
der Stunde vertieft. Dies ist nur möglich, wenn das zu Grunde liegende
Prinzip des Gedichts den S. klar geworden ist. Bei größerem
Zeitmangel könnte ein solcher Auftrag in die nächste Stunde verlegt
werden.
5 Skizze des geplanten Unterrichtsverlaufs
5.1 Tabellarische Übersicht
über den Unterrichtsverlauf
Zeit Unterrichtsphasen, Lehrerverhalten
/ Schülerverhalten / Methoden und Medien
11:50 Motivation, Problemfindung
Präsentation des Gedichts
"schtzngrmm" auf OHF1; Aufforderung zum Vortrag.
S. sind belustigt, da Vokale
sämtlich fehlen und ein Vortragen des Gedichts sich folglich als schwierig
erweist.
Vortrag durch L.; Aufforderung,
Assoziationen zu formulieren.
(Hilfsimpuls: "Woran denken
Sie beim Hören des Gedichts?")
S.: "Gedicht handelt von
Schützengräben, Maschinengewehrsalven, Panzerkettengeräuschen;
kurz: vom Krieg bzw. genauer: vom ersten Weltkrieg). UG, OHF1
11:55 Erarbeitung / Sicherung
von Zwischenergebnissen
Eingabe AB1; Aufforderung
zum Bearbeiten.
S. notieren ihre Erkenntnisse
zur sprachlichen Besonderheit des Gedichts. (LZ 1) AB1, StA
12:05 Auswertung
Aufforderung zum Vortragen
der Ergebnisse.
S. verweisen auf Fehlen
von Vokalen sowie z. B. auf das Ende des Gedichts (Ersterben der MG-Salve).
UG
12:10 Motivierung, Anwendung
auf ein weiteres Gedicht
Präsentation einer
Diktiergerät-Aufnahme von einer Audio-Datei
im Internet (E. Jandl liest "wien : heldenplatz"); Präsentation
des Gedichts auf OHF2; sukzessives Aufdecken durch L.; Aufforderung, Höreindrücke
zu formulieren.
S. stellen fest, dass sie
gar nichts verstanden haben; verweisen evtl. schon auf Wortneuschöpfungen.
L.: "Nennen Sie die Ursache
dafür, dass Sie nichts verstanden haben!"
(Hilfsimpuls: "Warum verstehen
Sie ein Wort wie ‚sämmertliche‘ nicht?")
S. erkennen, dass das Gedicht
von Wortneuschöpfungen geprägt ist. (LZ 2)
OHF2, Audio-Datei,
UG
12:15 Erarbeitung
Eingabe von vier Mind-Map-Bögen
mit vorgegebenen Wendungen/Wörtern aus dem Gedicht; Aufforderung,
eigene Wort-Assoziationen auf den Bögen zu notieren: "Versuchen Sie,
auch dieses Gedicht über Ihre Assoziationen zu erschließen!
Notieren Sie Wörter, die Sie mit den vorgegebenen Elementen assoziieren!"
Fokussierung auf Titel:
"Beziehen Sie den Titel in Ihre Überlegungen mit ein!"; Eingabe einer
Schilderung der Ereignisse auf dem Heldenplatz (Hitlerrede); Frage nach
Wörtern, die mit dem Themenbereich "Hitler / Nationalsozialismus"
in Verbindung gebracht werden können.
S. notieren ihre Assoziationen
und vergleichen ihre Notizen mit denen der Mitschüler.
S. verweisen z. B. auf "stirnscheitelunterschwang"
oder "stimmstummel" (Anklänge an Frisur und Bart Hitlers) und erweitern
ihre Notizen um den Bereich "Hitler / Nationalsozialismus". (LZ3) Mind-Map-Bögen,
GA, Infotext, UG
12:25 - 12:30 Auswertung
/ Ergebnissicherung
Eingabe Primärtext
und Präsentation OHF3: Aufforderung, Notiertes mit den Ergebnissen
der Schulbuchautoren zu vergleichen und zu diskutieren, sowie zum Versuch
einer Interpretation des Gedichts.
(Abschließende Ergebnispräsentation
auf OHF4)
S. vergleichen die Assoziationen
der Gruppe mit den Ergebnissen der Schulbuchautoren im Hinblick auf eine
mögliche Interpretation des Gedichts. (LZ4) OHF3, Bögen, Primärtext,
OHF4, UG
(OHF4)
Ergebnis: Gedicht
ist auf assoziative Erschließung hin angelegt.
Jandl ...
hat Wörter der deutschen
Sprache "zertrümmert"
hat sinntragende Einheiten neu
zusammengesetzt, so dass sich verschiedene Bedeutungen aus folgenden Themenbereichen
überlagern:
- Jägersprache
- Sexualität
- Hitler/Nationalsozialismus
Jandl versucht sich dem "Phänomen
Hitler" anzunähern, indem er die assoziative Kraft von Wortneuschöpfungen
nutzt.
(Hitler als Objekt mit erotischer
Anziehungskraft, das den Jagdtrieb der Frauen anregt?
Frauen aus dem Volk als
Beute des Diktators?)
12:35 Mögliches Stundenende
Ggf. Vertiefung / vorgezogene
HA
Ausgabe AB2 mit HA (s. u.).
S. schreiben ein Gedicht
nach dem Muster von "wien : heldenplatz". AB2 12:35 Stundenende
5.2 HA der Stunde im Wortlaut
Schreiben Sie ein Gedicht zu
einem Thema, mit dem Sie sich kritisch auseinander setzen möchten,
und zwar wie folgt:
1. Schreiben Sie einen kurzen
Prosatext dazu!
2. Zertrümmern Sie
dann das Wortmaterial Ihres Textes!
3. Wählen Sie Assoziationsbereiche
aus, die sich auf interessante Weise auf Ihr Thema beziehen lassen!
4. Ergänzen Sie Ihre
Worttrümmer mit Assoziationen aus den gewählten Bereichen in
Form einer Mind-Map! Legen Sie die endgültige Fassung der veränderten
Wörter erst fest, wenn die Mind-Map entwickelt ist!
5. Versuchen Sie abschließend,
die veränderten Wörter in ein Gedicht zu integrieren!
Auf Ihre Ergebnisse bin ich
sehr gespannt!
6 Literaturliste
6.1 Primärtexte
JANDL, E.: wien :
heldenplatz. In: BIERMANN, H., Schurf, B. (Hg.): Texte, Themen und Strukturen.
Deutschbuch für die Oberstufe. Berlin 1999, S. 508.
DERS.: schtzngrmm. In: BODE,
D. (Hg.): Deutsche Gedichte. Eine Anthologie. Stuttgart 1994, S. 328.
6.2 Fachliteratur
ANDICS, Helmut: 50 Jahre unseres
Lebens: Österreichs Schicksal seit 1918. Wien/München/Zürich
21968.
PABISCH, Peter (1976): Sprachliche
Struktur und assoziative Thematik in Ernst Jandls experimentellem Gedicht
wien: heldenplatz. In: Modern Austrian Literature. Journal of the International
Arthur Schnitzler Research Association. Vol. 9. No. 1, S. 73-85.
6.3 Fachdidaktische Literatur/Schulbücher
BIERMANN, H., Schurf, B. (Hg.):
Texte, Themen und Strukturen. Deutschbuch für die Oberstufe. Berlin
1999, S. 508 f.
6.4 Internet Quellen
...
Die Geschenkidee: Antworten, bevor Schüler fragen!