Pfarrer Stadelmann: Rede bei
der Verabschiedung des III. Bataillons des Infanterieregiments Nr. 121
(1914)
Sichtbar gemachte Parallelstrukturen:
Behüt dich Gott, drittes
Bataillon, Regiment Alt-Württemberg! Wir haben euch gerne gehabt,
und mit bitterer Wehmut lassen wir euch hinausziehen in den Kampf. Aber
wir wollen nicht
weich werden in dieser Stunde,
wir brauchen die letzte körperliche
und geistige Kraft, um obzusiegen.
Zu treu,
zu tüchtig,
zu groß
sind wir unsern Nachbarn geworden.
Erst haben sie es uns geneidet, dass wir etwas vermochten und galten in
der Welt, nun sind aus den Neidern erbitterte Feinde geworden. Mit den
ruchlosesten Mitteln, unerhört in der Weltgeschichte, wollen sie uns
vernichten.
Es war schon einmal - vor
anderthalb Jahrhunderten. Da rang das kleine Preußen um Ansehen und
Geltung neben den andern; sie wollten es nicht haben, die andern.
Die furchtbare Übermacht schien den Staat Friedrichs zu zerbrechen.
In der höchsten Not zeigte sich seine volle Größe. Er verzagte
nicht - und gewann.
Neben seiner Feldherrnbegabung,
nebst der Tüchtigkeit seiner
Generale
verdankte der Preußenkönig
den Sieg dem Geist des Volkes und des Heeres. Tapfer waren seine Soldaten,
hielten aus bis zum Letzten - sie konnten's, denn sie waren fromm (im Gegensatz
zu ihrem gerühmten König!). Mit Chorälen ziehen die Regimenter
in den Kampf, und nach dem Sieg von Leuthen klingt's über die Walstatt:
"Nun danket alle Gott".
Keiner in unserm deutschen
Volk hat geglaubt, dass
in Nord und Süd,
in Ost und West
das deutsche Volk aufstehe wie
ein Mann,
eins im Vertrauen zu Kaiser
und Regierung,
eins in dem trutziglichen Entschluss,
alles einzusetzen,
eins im Bewusstsein, dass wir
zusammengehören als Kinder einer Heimat,
eins auch - wer hätte es
geglaubt? - in der Demut vor Gott und im Vertrauen auf seine Hilfe.
Das nehmt mit hinaus
in Feld und Schlacht,
in Müh und Not - ein mächtig
Gottvertrauen.
Der Herr ist mit euch, und sein
Auge ruht auf einem jeglichen Mann. Tapfer macht dieser Glaube und treu.
Ihr dürft in vorderster Front fechten, als
hohe Ehre und
heilige Pflicht
empfindet es jeder. Die Fahne,
der ihr Treue geschworen, geleitet euch; ihr werdet sie heimtragen mit
neuen Ehren. Das ist euer Gelöbnis in dieser Stunde, das sich jeder
gibt aus tiefster Seele: Ich stehe
treu zur Truppe,
fest zur Fahne,
zu Führer und Kamerad.
Gott hört den Eidschwur,
er segne euch, dass ihr ihn haltet in schweren Stunden.
Und wir, die wir daheim
bleiben dürfen - nein, nein, nicht dürfen, sondern müssen,
müssen - so fühlen es Tausende -, wir stehen hinter euch,
sorgend,
betend.
Ihr bleibt die Unsrigen, uns
verbunden im Herzen
durch Dank und Vertrauen,
durch Fürsorge und Gebet.
So ist uns nicht bange. In der
starken Zuversicht auf Gottes Hilfe gehen wir in diesen Kampf;
wir wollen ihn führen auf
deutsche Art,
ehrlich,
tapfer,
unerschüttert;
wir wollen ihn auch führen
als Christen,
treu dem Kameraden,
menschlich dem Feind.
Nun Gott befohlen! Drittes
Bataillon, Offizier und Mann. Das Vaterland ist in höchster Not, da
stehen wir Mann an Mann. Unser Glaube aber ist:
Der Herr Zebaoth ist mit uns,
der Gott Jakobs ist unser Schutz!
Amen.
(zitiert nach H. Schlüter,
Grundkurs der Rhetorik, München 19859, S. 188)