Behüt dich Gott, drittes
Bataillon, Regiment Alt-Württemberg! Wir haben euch gerne gehabt,
und mit bitterer Wehmut lassen wir euch hinausziehen in den Kampf. Aber
wir wollen nicht weich werden in dieser Stunde, wir brauchen die letzte
körperliche und geistige Kraft, um obzusiegen. Zu treu, zu tüchtig,
zu groß sind wir unsern Nachbarn geworden. Erst haben sie es uns
geneidet, dass wir etwas vermochten und galten in der Welt, nun sind aus
den Neidern erbitterte Feinde geworden. Mit den ruchlosesten Mitteln, unerhört
in der Weltgeschichte, wollen sie uns vernichten.
Es war schon einmal - vor
anderthalb Jahrhunderten. Da rang das kleine Preußen um Ansehen
und Geltung neben den andern; sie wollten es nicht haben, die andern.
Die furchtbare Übermacht schien den Staat Friedrichs zu zerbrechen.
In der höchsten Not zeigte sich seine volle Größe. Er verzagte
nicht - und gewann. Neben seiner Feldherrnbegabung, nebst der Tüchtigkeit
seiner Generale verdankte der Preußenkönig den Sieg dem Geist
des Volkes und des Heeres. Tapfer waren seine Soldaten, hielten aus bis
zum Letzten - sie konnten's, denn sie waren fromm (im Gegensatz zu ihrem
gerühmten König!). Mit Chorälen ziehen die Regimenter in
den Kampf, und nach dem Sieg von Leuthen klingt's über die Walstatt:
"Nun danket alle Gott".
Keiner in unserm deutschen
Volk hat geglaubt, dass in Nord und Süd, in Ost und West
das deutsche Volk aufstehe wie ein Mann, eins im Vertrauen zu Kaiser
und Regierung, eins in dem trutziglichen Entschluss, alles einzusetzen,
eins im Bewusstsein, dass wir zusammengehören als Kinder einer Heimat,
eins auch - wer hätte es geglaubt? - in der Demut vor Gott und im
Vertrauen auf seine Hilfe. Das nehmt mit hinaus in Feld und Schlacht,
in Müh und Not - ein mächtig Gottvertrauen. Der Herr ist
mit euch, und sein Auge ruht auf einem jeglichen Mann. Tapfer macht dieser
Glaube und treu. Ihr dürft in vorderster Front fechten, als hohe Ehre
und heilige Pflicht empfindet es jeder. Die Fahne, der ihr Treue geschworen,
geleitet euch; ihr werdet sie heimtragen mit neuen Ehren. Das ist euer
Gelöbnis in dieser Stunde, das sich jeder gibt aus tiefster Seele:
Ich stehe treu zur Truppe, fest zur Fahne, zu Führer und Kamerad.
Gott hört den Eidschwur, er segne euch, dass ihr ihn haltet in schweren
Stunden.
Und wir, die wir daheim
bleiben dürfen - nein, nein, nicht dürfen, sondern müssen,
müssen - so fühlen es Tausende -, wir stehen hinter euch, sorgend,
betend. Ihr bleibt die Unsrigen, uns verbunden im Herzen durch Dank
und Vertrauen, durch Fürsorge und Gebet. So ist uns nicht
bange. In der starken Zuversicht auf Gottes Hilfe gehen wir in diesen Kampf;
wir wollen ihn führen auf deutsche Art, ehrlich, tapfer, unerschüttert;
wir wollen ihn auch führen als Christen, treu dem Kameraden, menschlich
dem Feind.
Nun Gott befohlen! Drittes
Bataillon, Offizier und Mann. Das Vaterland ist in höchster
Not, da stehen wir Mann an Mann. Unser Glaube aber ist: Der Herr Zebaoth
ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz! Amen.
(zitiert nach H. Schlüter,
Grundkurs der Rhetorik, München 19859, S. 188)