Dialoge in Dramenszenen können verstanden werden als
(fiktive) Kommunikation
oder
Strukturelemente des Dramas.
Kommunikation
Als Kommunikation
sind sie analysierbar unter den von Watzlawick
entwickelten Fragestellungen, im Hinblick auf die Argumentationsstruktur,
mit Interesse an den vertretenen Ideologien, unter Berücksichtigung
der Sprache (Wortwahl, Metrik, Reim, Code etc.).
Dabei
ist immer mit zu reflektieren, dass diese Kommunikation fiktiven Charakter
hat, d. h., die auftretenden Personen reden und verhalten sich so, weil
ein Autor es so wollte und damit ein Zuschauer/Leser bestimmte Informationen
erhält. Es ist also zu bedenken, dass Figuren im dramatischen Geschehen
nicht nur zu den Partnern auf der Bühne, sondern auch immer zum Publikum
sprechen. Dieser Gesichtspunkt muss die gesamte Untersuchung leiten.
Strukturelemente des Dramas
Als Strukturelemente
des Dramas werden Dialoge untersucht unter der Fragestellung:
Wie
ist dieser Teil des Dramas mit anderen Teilen verknüpft?
Dabei kann an die
Ergebnisse der Kommunikationsanalyse angeknüpft werden. Mögliche
Fragestellungen sind:
Wie ist die äußere/innere
Situation der Handelnden/Sprechenden zu Beginn, wie am Ende der Szene?
Wodurch wird die Entwicklung
vorangetrieben?
Wie verhalten sich die
Informationen, die man hier über den Charakter der Personen erhält,
zu den Informationen aus anderen Teilen des Dramas?
Gehört diese Szene
zu einer bestimmten Gruppe von Szenen, die sich unter thematischen oder
formalen Gesichtspunkten zusammenstellen lässt? Steht sie in Opposition
zu anderen Szenen?
In welche Richtung treibt
diese Szene den Handlungsverlauf? Welche Erwartung für den weiteren
Verlauf wird beim Zuschauer aufgebaut/abgebaut?
Welche Funktion hat
die Szene nach der Dramentheorie, die der Autor vertritt?
Kritische Auseinandersetzung
Die kritische Auseinandersetzung
mit einer Dramenszene knüpft an die Ergebnisse der Analyse an und
bringt diese in Zusammenhang mit anderen Aspekten und Möglichkeiten:
Immanente Kritik
Notwendigkeit der Szene
Stimmigkeit der "fiktiven
Realität" (innerhalb der Szene, in Bezug auf andere Szenen)
Motivierung von Handlungen
(überzeugend, ausreichend, unglaubhaft etc.)
Transzendente Kritik
Problematisierung der
Weltanschauung des Autors (sofern sie für eine Szene von Bedeutung
ist)
Messen der Szene an
der Dramentheorie des Autors
Problematisierung der
Dramentheorie anhand der Szene
Aussagen der Szene (des
Dramas) zu Problemen ihrer Entstehungszeit
"Weiterdenken" der Aussagen
der Szene (des Dramas) auf aktuelle Probleme hin (aber bitte nicht krampfhaft!)
etc.
Für diese
Art von Kritik ist ein eigener begründeter Standpunkt unerlässlich,
der eigene Wertehorizont muss erkennbar sein.
Zusammenfassung und Hinweise zum Vorgehen bei Klausuren
Prinzipiell
ist jede Textanalyse eines Dramas eine Kommunikationsanalyse; dennoch muss
sich die Gliederung an der Themenstellung und den Textspezifika orientieren.
Die in Klammern gesetzten Stichwörter sind folglich auch nur Möglichkeiten,
keinesfalls obligatorische Unterpunkte.
Gliederung
Kennzeichnung des
situativen Kontextes (Einführung in die Bedeutung der Szenen,
in die Funktion und Art der Personen, in das Kernproblem)
Einschätzung
des Dramenausschnittes aufgrund der Analyse in Bezug zum Thema (Stellenwert
/ Funktion im Drama, Intention des Autors / Gesellschaftsbezug, Problemgehalt
unter Berücksichtigung aller Unterrichtsergebnisse)
Die Geschenkidee: Antworten, bevor Schüler fragen!