Planen und erteilen Sie eine Unterrichtsstunde im Rahmen Ihrer Unterrichtsreihe
"Evolution" mit dem Schwerpunkt "Unterschiede der Evolutionstheorien von Lamarck und Darwin"!
2 Unterrichtsgegenstand
2.1 Thema
der Unterrichtsstunde
Unterschiede
der Evolutionstheorien von Lamarck und Darwin
2.2 Thema
der Unterrichtsreihe
Evolution
2.3 Thema
des unmittelbar vorangegangenen Unterrichts
Auffinden
von Homologien und Analogien an präparierten Tieren; Erklärung
von Merkmalsunterschieden als Resultat einer Anpassung an die jeweilige
Umwelt der Tiere
2.4 Thema
der folgenden Stunde
Zusammenwirken
von Mutation und Selektion am Beispiel des Industriemelanismus
3 Unterrichtsvoraussetzungen
3.1 Allgemeine
Unterrichtsvoraussetzungen
- nicht
publiziert
3.2 Spezielle
Unterrichtsvoraussetzungen
Die Klasse
zeigte sich bisher biologischen Themen gegenüber immer sehr aufgeschlossen
und interessiert.
Die
Unterrichtsreihe orientiert sich weitgehend am historischen Werdegang der
Evolutionsforschung (vgl. Sachanalyse). Ausgehend von einer grundlegenden
Gegenüberstellung naturwissenschaftlicher und religiöser Ansätze
bezüglich der Auswertung biologisch relevanter Informationen wurde
die Frage nach der Bewertung von Fossilienfunden aufgeworfen. Die S. haben
an Hand ausgewählter Beispiele aus der Paläontologie, vergleichenden
Anatomie und Morphologie Indizien für die stammesgeschichtliche Entwicklung
der Lebewesen kennen gelernt. Die Bedeutung homologer Organe hatte dabei
bisher zentrale Bedeutung.
In
der letzten Stunde haben die S. an Hand präparierter Tiere aus der
Biologiesammlung homologe und auf Konvergenz beruhende Merkmale untersucht,
z. B. die Ausbildung von Schutzpanzer und Stacheln bei Gürteltier
und Igel oder die Schnabel- und Krallenformen einiger Vögel. Die Unterschiede
in der Ausgestaltung homologer Organe und das Auftreten von Analogien (z.
B. Schwimmhäute zwischen Zehen) erklärten die S. als Resultat
einer Anpassung an die jeweilige Lebensumwelt der Tiere (z. B. Wasser-
oder Sumpflandschaften), ohne jedoch den zu Grunde liegenden Anpassungsprozess
näher zu reflektieren.
Im
Zusammenhang mit der Abstammungslehre wurde der Begriff "Mutation" bisher
nicht verwendet, auch nicht der Begriff der Selektion. Zwar kennen die
S. aus der Genetik Mutationen, allerdings nicht die zu Grunde liegenden
molekularbiologischen Abläufe.
4 Lernziele
4.1 Grobziel
Die S.:
können
die Evolutionstheorien Lamarcks und Darwins gegeneinander abgrenzen und
Darwins Theorie auf Grund ihres Vorwissens als die stichhaltigere beurteilen.
4.2 Feinziele
Die S.:
können
Merkmale der Evolutionstheorien Lamarcks und Darwins benennen (Ind.: zusammenhängende
S.-Äußerungen). (LZ 1)
können
die Evolutionstheorien Darwins und Lamarcks auf Beispiele aus der Zoologie
anwenden (Ind.: Einträge AB 1 und AB 2 bzw. Hefter). (LZ 2)
können
Unterschiede zwischen der Theorie Darwins und der Theorie Lamarcks formulieren
(Ind.: zusammenhängende S.-Äußerungen). (LZ 3)
können
mit Hilfe ihrer Kenntnisse über Vererbung begründen, weshalb
die Evolutionstheorie Darwins stichhaltiger ist (Ind.: zusammenhängende
S.-Äußerungen). (LZ 4)
fakultativ:
können
Äußerungen zur Entwicklung biologischer Merkmale von Tieren
und Pflanzen den Theorien Lamarcks und Darwins zuordnen (Ind.: zusammenhängende
S.-Äußerungen). (LZ 5)
problematisieren
den der Theorie Darwins zu Grunde liegenden Selektionsbegriff im Hinblick
auf die menschliche Gesellschaft und gelangen so zu einer kritischen Einstellung
gegenüber sozial-darwinistischen Aussagen (Ind. S.-Äußerungen).
(LZ 6)
5 Sachanalyse
Evolution
ist der Vorgang, der zur Entstehung der Organismenvielfalt geführt
hat. Es gilt heute als unbestritten, dass sich die Anpassung von Organismen
an ihre Umwelt zunehmend verbessert hat. Die Evolutionsforschung befasst
sich schon seit langem nicht mehr mit der Frage, ob eine Evolution stattfand,
sondern vielmehr damit, wie sie im Detail verlaufen ist.
Die
Menschheit hat in ihrer Kulturgeschichte schon sehr früh erkannt,
dass es eine Vererbung von Eigenschaften gibt, während ein Zusammenhang
zwischen Vererbung und Evolution erst sehr spät gesehen wurde. Bis
ins letzte Jahrhundert hinein hielt sich die Meinung, die Vielfalt der
Arten habe es schon immer gegeben und Artmerkmale seien konstante Eigenschaften.
Mit der Zeit sammelten sich jedoch Indizien dafür, dass es im Verlauf
der Erdgeschichte Veränderungen gegeben hat und dass auch die Entstehung
der Lebewesen als ein historischer Prozess zu verstehen ist. Damit war
aber noch nichts über die Mechanismen und Ursachen solcher Umwandlungen
gesagt. Die von Charles Robert Darwin (1809-1882) schließlich ausgearbeitete
Selektionstheorie gab eine Deutung, die heute nach Jahrzehnte dauernden,
kontrovers geführten Diskussionen als gesichert gelten kann und als
eine der wichtigsten Grundlagen der Biologie angesehen werden muss.
In
Kürze gesagt, beruht sie auf folgenden Erkenntnissen:
1.
Arten verändern sich in einer ununterbrochenen Generationenfolge vom
Zeitpunkt der Entstehung des Lebens bis hin zu den heute existierenden
(rezenten) Arten.
2.
Individuen einer Art sind untereinander nicht gleich. Innerhalb jeder Art
lässt sich für jedes Merkmal eine beträchtliche Variation
feststellen.
3.
Jedes Individuum ist einer natürlichen Selektion (einem Selektionsdruck)
unterworfen. Nur die gegenüber ihrer Umwelt am besten Angepassten
haben eine Chance zu überleben und sich fortzupflanzen.
Durch
diesen Prozess erhöht sich die Allelfrequenz günstiger Mutationen
in der Population über Generationen. Die hierdurch verursachte Anpassung
an den Lebensraum ist natürlich abhängig von der Stabilität
der Umweltbedingungen.
Ist
eine Mutation so gravierend, dass sich das betreffende Individuum nicht
fortpflanzen kann, geht diese irreversibel verloren; wird der Fortpflanzungserfolg
jedoch nur geringfügig reduziert, kann sich eine solche Mutation im
Genpool einer Art ausbreiten und über einen Zeitraum vieler Generationen
hinweg schließlich zum Aussterben der betreffenden Art führen.
Darwin
ist neben Mendel der wohl bekannteste Biologe des vergangenen Jahrhunderts.
1859 erschien sein bedeutendstes Werk "On the origin of species by means
of natural selection or the preservation of favoured races in the struggle
of life". Es stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der Evolutionsforschung
dar, aber nicht ihren Anfang. Ein entscheidender Durchbruch gelang bspw.
dem Pariser Zoologen Buffon (1707-1788), der bereits 1766 in seinem Werk
"Über die gemeinsame Abstammung von Vorfahren" darauf hinwies, dass
man nicht nur Esel und Pferd, sondern auch Menschen und Affen einer natürlichen
Familie zurechnen müsse. Er erörterte eine Anzahl von Evolutionsproblemen,
an die vor ihm niemand gedacht hatte, und vertrat die Ansicht, die Mehrheit
der Variationen sei nichtgenetischer Natur und durch die Umwelt verursacht.
Dieser Gedanke wurde von einem seiner Schüler, Jean Baptiste Pierre
Antoine de Monet, Chevalier de Lamarck (1744-1829), aufgegriffen und 1809
in dessen "Philosophie Zoologique" weiterverfolgt. Darin ging er davon
aus, dass der Begriff "Art" zwar praktikabel und sinnvoll sei, dass Arten
aber gelegentlich ohne scharfe Grenzen ineinander übergehen könnten,
und folgerte, dass es in der Natur nur Einzelwesen gebe, die sich nach
Zahl und Ausbildung ihrer Organe im Wesentlichen in eine einzige Stufenordnung
einordnen ließen, was besonders dann deutlich werde, wenn man von
den "komplizierteren Formen" zu "den einfachen" herabsteige.
Fazit:
Trotz vieler unbewiesener Behauptungen und lediglich angerissener Probleme
kann Lamarcks Arbeit als erste konsequent durchdachte Theorie einer Abstammung
angesehen werden, weshalb ihre Behandlung im Biologieunterricht nach wie
vor angemessen ist. Auf weitere Vorläufertheorien kann Bezug genommen
werden, wenn eine U.-Reihe zur Evolution entsprechend konzipiert ist, bspw.
einen historischen Aspekt vertiefen möchte, was in der vorliegenden
Reihe nicht der Fall ist, weshalb eine Beschränkung auf zwei Theorien
- Lamarck und Darwin - erfolgten soll.
1858
erhielt Darwin Kenntnis über eine Arbeit von A. R. Wallace (1823-1913),
in der dieser seine Theorie der Artbildung darlegte. Wallace hatte die
Verbreitung von Tierarten untersucht und kam zu dem Schluss, dass es eine
Selektion und eine Evolution gegeben haben müsse.
Obwohl
Darwin nichts von moderner Vererbungslehre wusste, folgerte er aus verschiedenen
Beobachtungen, dass es eine Vererbung geben müsse. Unter "Kampf ums
Dasein", oder wie H. Spencer formulierte: "survival of the fittest", wird
nicht nur das Überleben des Individuums verstanden, sondern mehr noch
der Erfolg in Bezug auf das Hinterlassen von Nachkommenschaft.
Im
Gegensatz zur mendelschen Arbeit wurden Darwins Werke unmittelbar nach
Erscheinen gelesen, kritisiert und auch akzeptiert. Obwohl es schien, als
sei 1859 die Zeit reif, die Beweise und Gedanken zu einer Selektionstheorie
der Evolution zusammenzufassen, waren es zunächst nur wenige, die
Darwins Ansichten teilten und die Selektionstheorie durch eigene Beobachtungen
und Experimente stützten. Die Auseinandersetzungen der Kontrahenten
quittierte die britische Presse durch zeitgemäße Karikaturen.
In Deutschland wurden seine Vorstellungen durch Haeckel (1834-1919) verbreitet
und fortentwickelt.
Fazit:
Auf Grund der ungeheuren Bedeutung der Theorie Darwins für die Naturwissenschaft,
aber auch unter historischen Gesichtspunkten (und leider auch unter dem
Aspekt des Missbrauchs im 20. Jahrhundert) ist eine Beschäftigung
mit ihr im Biologieunterricht nach wie vor unverzichtbar.
Darwins
Vorstellungen über die Evolution dürfen, wie MAYR (1984) vermerkt,
genau genommen nicht zu einer einzigen Theorie zusammengefasst werden ,
für eine Behandlung der Thematik in einer 10. Klasse ist dies aber
meiner Ansicht nach zulässig, wie sich auch an Hand der Aufbereitung
des Themas in Schulbüchern ersehen lässt.
6 Didaktisch-methodische
Überlegungen
Der Rahmenplan
für die zehnte Klasse gibt als Lernziel unter dem Themenbereich "Evolution"
die Kenntnis von "Mutation und Selektion als grundlegende[n] Evolutionsfaktoren"
explizit an. Außerdem heißt es dort, S. sollten "biologische
Zusammenhänge naturwissenschaftlich erklären" sowie "Ursache-Wirkungs-Beziehungen
aufzeigen" können. Eine Ergänzung erfährt das Lernziel aus
dem Bereich "Fähigkeiten und Fertigkeiten" des Rahmenplans: "Schüler
können biologische Sachverhalte miteinander vergleichen, ordnen und
allgemeine Aussagen gewinnen."
Nachdem
die S. sich in den zurückliegenden Stunden ausführlich mit Ähnlichkeiten
und Unterschieden in der Merkmalsausprägung verschiedener Organismen
beschäftigt haben, tauchte zum Schluss hin auch die Frage auf, wodurch
diese Unterschiede eigentlich bedingt sind . Es besteht also grundsätzlich
ein Bedarf, Evolutionstheorien kennen zu lernen oder eine solche Theorie
selbst zu entwickeln. Die heutige Stunde, die eine Auseinandersetzung mit
zwei vorgegebenen Theorien fordert, steht nun vor dem Problem, dass ein
intensives Diskutieren der Frage, wie sich Merkmale im Organismenreich
entwickelt haben, diese möglicherweise für die S. auf Grund ihrer
bisher erworbenen Kenntnisse zu früh zufrieden stellend beantwortet,
so dass die S. kein Interesse mehr daran haben, sich mit Evolutionstheorien
des 19. Jahrhunderts zu beschäftigen, da sie diese dann als obsolet
ansähen.
Daraus
ergibt sich als Konsequenz ein Abweichen vom üblichen Vorgehen im
Biologieunterricht, das den S. nach Aufwerfen eines Problems (Wie ist ein
bestimmtes Merkmal entstanden?) erst einmal Zeit einräumt, diesbezügliche
Vermutungen zu äußern. Das Vorgehen der Stunde ist also eher
deduktiv, da auf eine Hypothesenbildung und Lösungsplanung sowie auf
eine Lösung der Problemfrage durch gezieltes Beobachten ausnahmsweise
einmal verzichtet werden muss, um die erforderliche (Neugier-) Spannung
aufrechtzuerhalten.
Um
dennoch eine Problemorientierung der Stunde sicherzustellen, habe ich mich
dafür entschieden, zu Anfang eine pointierte Darstellung von Giraffen
auf OHF zu präsentieren, die ein klassisches Lehrbuchbeispiel aufgreift
und die langen Hälse der Tiere betont. Das Problem, wie es zur Ausbildung
solch langer Hälse gekommen ist, könnte prinzipiell auch
von den S. abgeleitet werden; um aber einer Verselbstständigung der
Diskussion im oben angesprochenen Sinne vorzubeugen, habe ich mich entschieden
die Frage ausnahmsweise einmal selbst vorzugeben und zugleich anzukündigen,
dass es hierzu zwei unterschiedliche Theorien von berühmten Forschern
gebe, die die S. nun auf das Beispiel und ein weiteres (Entstehung der
unterschiedlichen Vorderextremitäten) anwenden sollen, um diese Theorien
abschließend zu beurteilen. Hierdurch sind gewährleistet:
Neugier
der S. auf die Theorien, da sie sicher sofort eine eigene Hypothese aufgestellt
haben werden und nun gespannt sind, was der jeweilige - berühmte!
- Forscher wohl dazu meint.
Ausschluss
eines Abdriftens auf Nebenschauplätze ("Warum gucken die Giraffen
wohl so?"; "Warum haben alle das gleiche Muster?"; Woran erkennt man männliche
und weibliche Giraffen?" etc.).
Vorzeitige
Diskussion und Beantwortung der Frage, z. B. im Sinne Darwins, die eine
Auseinandersetzung mit der Theorie Lamarcks verhindern würde.
Frühes
Vorstoßen zum Schwerpunkt der Stunde.
Erreichung
eines sinnvollen und vmtl. notwendigen Zeitgewinns zum Stundenende hin.
Alternativ
könnten die S. gebeten werden, Vorüberlegungen schriftlich zu
fixieren; diese müssten dann aber auch ausgewertet oder sonstwie berücksichtigt
werden, was meiner Ansicht nach dysfunktional wäre, da die S. zunächst
vermutlich nur eine unscharfe und unausgegorene Hypothese formulieren würden,
die im Anschluss an die Auseinandersetzung mit den Theorien Lamarcks und
Darwins wenig gelungen erscheinen und die S. demotivieren würde, auch
wenn vereinzelt durchaus gute Beiträge vorliegen könnten.
Die
Stunde beginnt also nahezu unmittelbar mit einer Erarbeitungsphase. Diese
bietet dem L. auch den Vorteil, dass er sich weitgehend zurücknehmen
kann, aber durch Herumgehen einen Überblick behält, wo evtl.
Unklarheiten bestehen oder wo bereits ein hohes Verständnis von Zusammenhängen
erreicht worden ist.
Es
kann meiner Ansicht nach davon ausgegangen werden, dass die S. wissen,
worin ein Vorteil langer Giraffenhälse besteht (Erschließung
von Futterquellen, z. B. Baumkronen, bessere Sicht und frühes Erkennen
von Feinden). Sollten wider Erwarten hier Defizite bestehen, wird der L.
das schnell daran erkennen können, dass sich die Bearbeitung verzögert,
und er kann die Frage in die Klasse geben.
Die
Arbeitsbögen (zu Lamarck und Darwin) sind so konzipiert, dass sie von beiden Gruppen in der
gleichen Zeit bearbeitet werden können. Da die S. ihre Ergebnisse
schriftlich fixieren sollen, habe ich die Bearbeitungszeit auf ca. 15 Minuten
veranschlagt. Die Bearbeitung erfolgt sowohl in Einzel- als auch in Partnerarbeit
(Abgleichen der Ergebnisse). Hierdurch ist gewährleistet, dass auch
in der Erarbeitungsphase bereits die S.-Interaktion genutzt wird.
Alternativ
könnten alle S. auch beide Theorien auf einem AB vorgelegt bekommen;
dies würde aber einen sehr frontalen Stundenablauf und eine überlange
Erarbeitungsphase mit sich bringen und ließe das Potenzial einer
S.-Interaktion unberücksichtigt.
Die
S. sollen im Anschluss natürlich ihre Ergebnisse vortragen. Hierbei
ist in ähnlichen Stunden häufig das Problem zu beobachten, dass
die S. der einen Gruppe den Mitgliedern der anderen Gruppe beim Vortrag
keine oder nur geringe Aufmerksamkeit schenken und am Ende der Stunde hektisch
den Arbeitsbogen der anderen Gruppe nachfordern, da ihnen nun bewusst wird,
dass sie nur ihre eigenen Gruppenergebnisse aufmerksam verfolgt und gesichert
haben. Ich gedenke dem vorzubeugen, indem ich
Wert darauf
lege, dass die S. einander zuhören, und dies sage.
herausstelle,
dass es um den Unterschied der beiden Theorien geht und ich von allen S.
wissen will, worin dieser besteht.
eine OHF-Darstellung
an den Anfang der Auswertungsphase stelle, an der beide Theorien erläutert
werden können (OHF 2). Die OHF 2 ist grafisch so konzipiert, dass
die S. auch hier eine Abstraktionsleistung erbringen müssen.
Die
Anwendung der Theorien auf zwei Beispiele setzt voraus, dass S. die Merkmale
der Theorien verstanden haben. Ein Benennen dieser Merkmale (LZ 1) wird
voraussichtlich beim Erläutern der AB-Ergebnisse (LZ 2) erfolgen,
weshalb auf ein gesondertes Abrufen verzichtet werden kann. Da der Schwerpunkt
der Stunde auf den Unterschied der beiden Evolutionstheorien abhebt, kann
darauf verzichtet werden, die jeweiligen Merkmale der Theorie der anderen
Gruppe schriftlich zu fixieren, zumal dies auch eine Redundanz bedeuten
würde (jeweils einer Gruppe sind die Merkmale ja bereits bekannt).
Beim
Vorstellen der S.-Ergebnisse sollte zunächst das Abrufen der dritten
Aufgabe unterbleiben, auf eine Beurteilung der Theorien also verzichtet
werden, bis der Unterschied zwischen den Theorien erarbeitet und an der
Tafel fixiert worden ist.
Die
S. müssten auf Grund ihrer bisherigen Kenntnisse, beispielsweise über
dominant-rezessive Vererbung oder Modifikationen, eine sichere Bewertung
der Theorien leisten können.
Hierfür
ist ausreichend Zeit vorzusehen, denn es muss allen S. klar sein, weshalb
Darwins Theorie im Unterschied zur Theorie Lamarcks stichhaltiger ist.
Da
beider Forscher keine Kenntnis von Vererbungsregeln hatten und auch Darwin
eigentlich noch von einer Vererbung erworbener Eigenschaften ausging, stellt
sich die Frage, wie dieser Aspekt angemessen zu berücksichtigen ist.
Ich habe mich dafür entschieden, nach einer Beurteilung der Theorien
die Frage aufzuwerfen, welche von beiden die S. für die jüngere
halten. Auf Grund ihrer Bewertung werden die S. vermutlich zum Schluss
gelangen, dass die stichhaltigere Theorie wohl auch die jüngere sein
wird und Darwin schon über Kenntnisse von Vererbungsgesetzmäßigkeiten
verfügt hat. Die Eingabe von Datierungen der beiden Theorien dürfte
hier eine Verblüffung bewirken und Respekt vor der historischen Leistung
Darwins schaffen, sofern die S. Mendel (1865/66 bzw. 1900, also deutlich
nach der Veröffentlichung der Theorien Lamarcks und Darwins!) als
Maßstab heranziehen können. Hier bedarf es der Eingabe des Datums
durch den Lehrer, da die Auseinandersetzung mit Mendel schon lange zurückliegt.
Auf den ABs ist entsprechend das Feld für eine Datierung der Theorien
offen gelassen, was evtl. zusätzliche Neugier erzeugt. Die Kleidung
der Forscher lässt zwar diesbezügliche Schlüsse zu, da S.
hier aber i. d. R. über keine Erfahrungswerte verfügen, nehmen
die Bilder auch kein Ergebnis vorweg.
Im
Anschluss an die Sicherung der wichtigsten Ergebnisse kann der L. den Spieß
quasi umdrehen und den Schülern Äußerungen zum Auftreten
bestimmter Merkmale im Tier- oder Pflanzenreich vorlegen, damit diese nun
eine begründete Zuordnung zu den Theorien Lamarcks oder Darwins vornehmen
können (z. B.: "Die Äußerung ist Lamarck zuzuordnen, da
sie eine aktive Anpassung fordert").
Diese
Phase kann zur Not entfallen, wenn sich im Verlauf des U.-Geschehens herausstellt,
dass mehr Zeit zum Herausarbeiten des Unterschiedes der Theorien erforderlich
ist (-> mögliches Stundenende I).
Der
Missbrauch der Theorie Darwins im 20. Jahrhundert, vor allem durch Hitler
und den Nationalsozialismus, legt nahe, die S. die Theorie Darwins
weiterdenken zu lassen, um ihren Wertehorizont sichtbar zu machen und diesen
ggf. zu erweitern. Beispielsweise kann eine Anzeige der Firma AVENTIS,
die Darwins als Begründung einer Firmenfusion heranzieht ("Survival
of the fittest"), als Aufhänger dienen, um eine Diskussion der Frage
anzustoßen, inwieweit sich die Theorie Darwins auf nichtbiologische
- z. B. gesellschaftliche - Zusammenhänge übertragen lässt
(Mitmenschlichkeit! Christliche Werte!) und wo hierbei Gefahren entstehen
könnten (z. B. Euthanasie). Da hierbei nur einer der beiden Theorien
Gegenstand ist, muss diese Phase als fakultativ angesehen werden (-> mögliches
Stundenende II); sie kann auch in die Folgestunde (Industriemelanismus)
oder die darauf folgende Stunde mit entsprechendem eigenen Schwerpunkt
eingebaut werden.
Als
Hausaufgabe bietet sich zwar prinzipiell die erneute Anwendung auf weitere
Beispiele an (Phase nach dem ersten möglichen Stundenende), hierauf
kann aber verzichtet werden, da in der nächsten Stunde am Beispiel
des Industriemelanismus eine solche erneute Anwendung erfolgt.
Ich
habe mich sehr kurzfristig entschieden, das Phänomen "Industriemelanismus",
an dem sehr gut das Zusammenwirken von Mutation und Selektion als Evolutionsfaktoren
aufgezeigt werden kann, nicht - wie häufig üblich - der
Stunde voran zu stellen, da hierdurch ein zu schnelles Wiedererkennen und
Verifizieren einer Theorie durch die Darwin-Gruppe möglich wäre.
Alternativ wäre dies zwar auch möglich, dies würde aber
für die vorliegende Stunde evtl. eine veränderte Stundenfigur
bedeuten.
Statt
dessen erhalten die S. nun in der folgenden Stunde ein Beispiel, das die
Theorie Darwins erhärtet.
Tabellarische
Übersicht des geplanten Unterrichtsverlaufs
Zeit
Unterrichtsphasen / Lehrerverhalten Schülerverhalten Methoden / Medien
08:50
Motivierung; Erarbeitung
L.
zeigt OHF, die lange Giraffenhälse betont: "Wir werden uns heute u.
a. mit der Frage beschäftigen, warum diese Tiere solch lange Hälse
haben. Bevor ich euch nach eurer Meinung hierzu frage, möchte ich
euch mit den Theorien zweier berühmter Forscher konfrontieren."
S.
sind neugierig, ob sich die Ansichten der Forscher mit ihren eigenen (noch
unstrukturierten) Überlegungen decken werden.
L.
teilt Klasse in zwei Hälften ein, die entweder AB1 oder AB2 erhalten,
und gibt Hinweise zur Bearbeitung.
S.
bearbeiten in PA AB1 und AB2.
L.
hält Stundenthema an Tafel fest: "Evolutionstheorien: Lamarck und
Darwin"
S.
übernehmen Stundenthema in Hefter, während sie die ABs weiterbearbeiten.
OHF1, AB1, AB2, StA (EA, PA), Tafel, Hefter 09:05
Auswertung/Ergebnissicherung
L.
legt OHF2 auf, fordert zum Vortragen der Ergebnisse auf, indem er S. bittet,
an Hand der Darstellung zu erläutern, wie die langen Giraffenhälse
a) nach Lamarck und b) nach Darwin entstanden sind.
S.
erläutern der jeweils anderen Arbeitsgruppe an Hand der OHF2, wie
Darwins bzw. Lamarcks Theorie das Auftreten langer Giraffenhälse und
(im Anschluss) die Entstehung der unterschiedlichen Wirbeltier-(Vorder-)
Extremitäten erklärt. (LZ 1 und 2)
L.:
"Nennt Unterschiede zwischen beiden Theorien!"
S.
verweisen auf Anpassung a) von innen heraus (Lamarck), b) durch die Umwelt
(Darwin) sowie auf die unterschiedlichen Erklärungen für das
vermehrte Auftreten eines neuen Merkmals in der Folgegeneration. (LZ 3)
(Sicherung
an Tafel durch L.)
L.:
"Begründet, welche Theorie Ihr plausibler findet!"
S.:
"Auf Grund des Genannten ist ersichtlich, dass die Theorie Darwins stichhaltiger
ist, da sie mit unseren bisherigen Erkenntnissen aus der Genetik widerspruchsfrei
übereinstimmt." (LZ 4)
Sicherung
an Tafel durch L.
L.:
"Begründet, welche Theorie eurer Ansicht nach die jüngere ist!"
S.
vermuten, dass Darwins Theorie die jüngere ist und dass Darwin über
Kenntnisse der Genetik verfügt hat.
Eingabe
der Datierungen durch L. (Lamarck: 1809; Darwin: 1859); Hinweis, dass beide
Forscher keine Kenntnisse der Mendel-Genetik besaßen (Ggf. Anschrieb:
"Mendel 1865/66, wieder entdeckt um 1900").
S.
vervollständigen Lücke in ABs.
S.
übernehmen Tafelbild in Hefter.
AB1,
AB2, UG, OHF2, Tafel, Hefter Mögliches
Stundenende I 09:25
Anwendung u. Festigung
Eingabe
von Folienschnipseln mit der Aufforderung, die Beispiele einer der beiden
Theorien zuzuordnen und dies zu begründen.
S.
wiederholen charakteristische Merkmale der Theorien und ordnen sie bestimmten
Formulierungen zu. (LZ 1 und 5) Folienschnipsel Mögliches
Stundenende II Ausweitung/Problematisierung
L.
hält Zeitungswerbung von AVENTIS hoch, liest Werbetext vor und bittet
darum, das Gezeigte zu erklären und zu bewerten.
(Kann
auch in der Folgestunde eingesetzt werden)
S.
stellen fest, dass der Auslesebegriff hier in einem nichtbiologischen Kontext
Anwendung findet; verweisen auf mögliche Konsequenzen sozial-darwinistischer
Ansätze. (LZ 6) FAZ-Webung von AVENTIS 09:35
Stundenende
7 Verzeichnis
der verwendeten Quellen und Hilfsmittel
7.1 Primärquellen
DARWIN,
C.: Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl.
(dt. Ausgabe): Stuttgart: E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, 1860
(Nachdruck: Reclam 3071-3080, 1976).
MALTHUS,
T. R.: "An essay on the principle of population" and "A summary view of
the principle of population" (A. FLEW ed.) Harmondsworth, Middlesex: Penguin
books Ltd., 1970. (Originalausgaben 1798 und 1830).
7.2 Fachliteratur
HOFF,
P., Miram, W.: Evolution. Hannover 1987, S. 16 ff.
KULL,
U.: Evolution. Stuttgart 1977, S. 4 ff.
MAYR,
E.: Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt. Berlin u. a. 1984.
WEHNER,
R., Gehring, W.: Zoologie. 22Stuttgart, New York 1990, S. 540 ff.
7.3 Fachdidaktische
Literatur und Schulbücher
BAYRHUBER,
H., u. a.: Linder Biologie. Lehrbuch für die Oberstufe. 21Hannover
1998, S. 382 ff.
BICKEL,
H., u. a.: Natura 3. 2Stuttgart u. a. 1998, S. 344 ff.
CLAUS,
R., u. a.: Natura 2. Stuttgart u. a. 1991, 354 f.
ESCHENHAGEN,
D., u. a.: Fachdidaktik Biologie. 3Köln 1996 S. 18.
MEYER,
H., Daumer, K.: Evolution. 4München 1993, S. 48 ff.
MIRAM,
W., Scharf, K.-H. (Hrsg.): Biologie heute S II. Hannover 1997, S. 386.
OSCHE,
G: Evolution. Freiburg i. Br. 1975, S. 30 ff.
STAECK,
L.: Zeitgemäßer Biologieunterricht. Eine Didaktik. 4Stuttgart
1987.
A
"Die
Vorderbeine des Känguruhs, die dieses sehr wenig gebraucht, sind im
Verhältnis zu den übrigen Teilen zurückgeblieben. Die Hinterbeine,
die beinahe immer in Tätigkeit sind, haben hingegen eine beträchtliche
Entwicklung erlangt und sind sehr groß und stark geworden. Der Schwanz
endlich, der zur Ausführung der hauptsächlichsten Bewegungen
stark gebraucht wird, hat an seiner Basis eine äußerst ansehnliche
Dicke und Kraft erlangt." (=> Lamarck)
B
"Eine
Rose hat durch ihre Stacheln einen Vorteil: Sie wird von Pflanzenfressern
ungern verzehrt. Rosen mit nur wenigen oder gar keinen Stacheln werden
häufiger gefressen, und in der freien Natur wären sie sicher
bald verschwunden. Deshalb haben auch viele andere Sträucher Dornen
oder Stacheln." (=> Darwin)
C
"Ein
Hochmoor ist sehr nährstoffarm. Deshalb entwickeln Pflanzen, die dort
leben wollen, neue Fähigkeiten, wie z. B. die fleischfressenden Pflanzen
Venus-Fliegenfalle oder Sonnentau." (=> offen, tendenziell Lamarck)
D
"Ein
Polarfuchs hat im Gegensatz zum Wüstenfuchs deshalb kleinere Ohren,
da diese in der Kälte nur schlecht durchblutet wären und Polarfüchse
mit großen Ohren zwangsläufig häufiger an Erfrierungen
sterben würden. Beim Wüstenfuchs ist es so, dass er nur nachts
jagt und deshalb gut hören können muss. Große Ohren bedeuten
also einen Vorteil für ihn." (=> Darwin)
8.7
Sitzplan
Die Geschenkidee: Antworten, bevor Schüler fragen!