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Berlin - 12. Klasse
Genetik
Biologie - Oberstufe: Genetik
Prophylaxe bei Rhesusunverträglichkeit
Zu den zahlreichen Blutgruppensystemen,
die genetisch bedingt und sehr umweltstabil sind, gehört der Rhesusfaktor.
Er wurde im Jahre 1940 von Landsteiner und Wiener bei vergleichenden
Untersuchungen über die Blutgruppen von Menschen und Affen entdeckt.
Es gibt beim Rhesusfaktor
mindestens drei allele Genpaare, also auch mindestens drei Antigene (C,
D und E). Das für die Rhesusunverträglichkeit verantwortliche
Antigen ist identisch mit dem Faktor (Antigen) D.
Etwa 85 Prozent der europäischen
Bevölkerung sind rhesus-positiv (Rh+) und besitzen das an die Erythrozytenmembran
gebundene Rhesus-Antigen D. Bei den restlichen 15 Prozent fehlt dieses
Rhesus-Antigen; sie sind rhesus-negativ (rh-). Bei ihnen kommt es
zu keiner Agglutination der roten Blutkörperchen mit dem Anti-Rhesus-Serum.
Eine Rhesusunverträglichkeit
(Inkompatibilität) kann auftreten, wenn eine rhesus-negative (rh-)
Mutter (Genotyp: dd) ein Kind erwartet, das von einem rhesus-positiven
(Rh+) Vater (Genotyp: DD oder Dd) die dominante Erbanlage D zur Bildung
des Rhesus-Antigens D erhalten hat.
Gelangen während der
Schwangerschaft oder bei der Geburt Erythrozyten des Fetus mit dem Rh-Antigen
in den mütterlichen Blutkreislauf, so reagiert die Mutter mit der
Bildung entsprechender Antikörper.
Bei einer späteren
Schwangerschaft können diese Antikörper durch die Plazenta in
den kindlichen Kreislauf übertreten und dort die Erythrozyten zerstören
(hämolytische Anämie, Abb.1). Meist tritt diese Schädigung
während der letzten Schwangerschaftswochen oder unmittelbar nach der
Geburt auf (Neugeborenen-Gelbsucht). Durch den erhöhten Blutverlust
kommt es zu einer Anschwellung von Milz und Leber. Gleichzeitig sammelt
sich Blutwasser in der Bauchhöhle und am Kopf des Kindes an, was zu
schweren Entstellungen und zum Tod führen kann.
Das durch die Hämolyse
entstandene Bilirubin (roter Gallenfarbstoff) kann nicht rasch genug durch
die Nieren ausgeschieden werden. Eine schwere Gelbsucht ist die Folge.
Durch Ablagerung dieses
Farbstoffs in den Zellen des Zentralnervensystems treten Vergiftungserscheinungen
auf, die das Gehirn lebend geborener Kinder für immer schädigen
können oder zu deren frühzeitigem Tod führen. Nur wenn das
Blut noch rechtzeitig ausgetauscht wird, können die betroffenen Kinder
sich normal entwickeln.
Die pharmazeutische Industrie
konnte ein Serum entwickeln, das ein Immunglobulin enthält, welches
genau dem D-Antikörper entspricht, den eine rh-Mutter im Laufe von
einigen Wochen zu produzieren vermag. Spritzt man dieses Anti-D einer rhesus-negativen
Wöchnerin unmittelbar nach der Geburt ihres ersten, fast immer gesunden
Kindes in die Vene, so werden die bei der folgenden Schwangerschaft in
das Blut der Mutter gelangenden fetalen rhesus-positiven Erythrozyten aufgelöst
und die Abwehrreaktionen des mütterlichen Organismus verhindert, d.
h. die Bildung eigener D-Antikörper.
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