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10. Klasse
Entwicklungsbiologie
Von der Bildung der Eizelle
zur Befruchtung
Bildung und Bau der Eizellen:
Die Eier der Säugetiere haben einen langen Bildungsprozess. Die Ur-Eizellen
oder Oogonien des weiblichen Embryos teilen sich und bilden am Ende
des 3. Monats Zellhaufen. Einige von ihnen differenzieren sich zu den bedeutend
größeren Oocyten, die in die Prophase der 1. Reifeteilung
eintreten. Sie bleiben bis zur Pubertät in diesem Zustand der nicht
vollendeten Prophase liegen. Dabei sind sie von einer Schicht einfacher
Epithelzellen
umgeben, mit denen zusammen sie als Primärfollikel bezeichnet
werden.
Die Zahl der Oocyten zurzeit der Geburt wird auf 700.000 bis 2
Millionen geschätzt, zu Beginn der Pubertät dürften dann
nur noch 40.000 Primärfollikel vorhanden sein. Das reicht aber aus,
wenn man bedenkt, dass von der Frau während der Geschlechtsreife höchstens
450 zu reifen Eiern ausgebildet werden.
Mit jedem Ovarialzyklus
beginnt nun eine Reihe von Primärfollikeln zu reifen. Die primäre
Oocyte wird größer. Die Follikelzellen nehmen kubische Gestalt
an und bilden um die Oocyte eine aus Glykoproteiden bestehende extrazelluläre
Schicht. Das Follikelepithel nimmt durch Teilung an Zellen zu. Diese ordnen
sich in mehreren Schichten um die Oocyte (Sekundärfollikel),
bis in der dicken Zellschicht Spalträume entstehen. Diese fließen
zur Follikelhöhle zusammen, die mit Follikelflüssigkeit
erfüllt wird.
Der entstehende Tertiär- (Graaf-) Follikel
kann einen Durchmesser bis zu 15 mm erreichen, während die von einer
mehrschichtigen Zellage umgebenen Eizelle nur etwa 150 µm groß
ist.
Inzwischen hat die Oocyte ihre erste Reifeteilung beendet und ein
Polkörperchen abgeschnürt. Die sekundäre Oocyte beginnt
mit der zweiten Reifeteilung gerade zum Zeitpunkt der Ovulation (Eisprung).
Erst mit der Befruchtung wird die zweite Reifeteilung beendet.
Während
sich in einem weiblichen Fetus im fünften Schwangerschaftsmonat noch
etwa sieben Millionen Ur-Eizellen (Oocyten) nachweisen lassen, vermindert
sich diese Zahl allmählich. Ein neugeborenes Mädchen besitzt
noch etwa eine Million Ur-Eizellen, von denen im Alter von sieben Jahren
noch etwa 300.000 vorhanden sind.
Im Alter von 11 bis 13 Jahren
setzt die erste Regelblutung ein (Menarche). Sie ist der
Beginn der weiblichen Fortpflanzungsfähigkeit. Sie endet mit den Wechseljahren
(Menopause) im Alter von etwa 50 Jahren.
Vor dem Eisprung bildet sich
der fast reife Follikel in einen sprungreifen Follikel um, er vergrößert
sich dabei auf ein 15-20 mm großes Gebilde. Diese wölbt die
Außenfläche des Eierstocks vor. In der Flüssigkeit des
Follikels befinden sich Enzyme, die das Netz aus elastischen Fasern in
der Außenwand des Eierstocks regelrecht andauen. Dadurch verringert
sich die Reißfestigkeit dieser Außenwand. Der Follikel nimmt
Flüssigkeit auf, dadurch erhöht sich sein Innendruck. Gleichzeitig
kommt es zu einer Blutüberfüllung des Eierstocks. Beim Eisprung
reißt die verdünnte Eierstockwand auf, die Eizelle mit den sie
umgebenden 3000 bis 4000 Follikelwandzellen wird zusammen mit der Follikelflüssigkeit
entleert und von dem Trichter des Eileiters aufgefangen. In der Wand des
Eierstocks entsteht ein Loch von Stecknadelkopfgröße. Es wird
anschließend durch einen Fibrinpfropf geschlossen. Die Eizelle kann
sich, im Gegensatz zu den Spermien, nicht selbst fortbewegen. Die Flimmerhärchen
im Eileiter und Kontraktionswellen der Eileitermuskulatur erzeugen
einen Flüssigkeitsstrom, der das Ei in Richtung Gebärmutter transportiert.
Die Eizelle ist nach dem
Eisprung nur vier bis sechs Stunden lang befruchtungsfähig
und befindet sich noch im oberen Teil des Eileiters. Damit eine Befruchtung
stattfinden kann, müssen sie die Spermien innerhalb dieser Zeit dort
erreichen. Dabei kann nur ein einziges Spermium mit seinem Kopf in die
Eizelle eindringen. Danach wird die Hülle der Eizelle für weitere
Spermien undurchdringbar. Auch das Mittelstück und der Schwanz
des eingedrungen Spermiums bleiben außerhalb. Der Zellkern im Spermienkopf
quillt im Plasma des Eies auf und vereinigt sich mit dem Zellkern der Eizelle.
Der so entstandene neue Zellkern enthält nun die Erbanlagen aus dem
Spermium des Vaters und aus der Eizelle der Mutter. Diese befruchtete Eizelle
nennt man Zygote.
Das
Wesen der geschlechtlichen Fortpflanzung ist darin zu sehen, dass zwei
geschlechtlich differenzierte Zellen durch den Befruchtungsprozess zu einem
neuem Zellindividuum, einer Zygote, verschmelzen. Die Zygote kann bei den
Einzellern selbst die nächste Generation repräsentieren oder
bei den Vielzellern durch Zellteilungen zum neuen vielzelligen Organismus
heranwachsen. Gegenüber der ungeschlechtlichen bietet die geschlechtliche
den Vorteil, dass durch den Befruchtungsprozess im Verlauf der Generationen
eine ständige Umkombinierung elterlicher Erbanlagen gewährleistet
ist. Es können damit auftretende Schädigungen des Erbgutes kompensiert
(ausgeglichen) werden und durch die resultierende Variabilität
der Nachkommen bessere Voraussetzungen für die Anpassung der Organismenart
an ihre jeweilige Umwelt und damit zugleich Möglichkeiten für
die Evolution geschaffen werden.
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